Lippepark Hamm: Unterschied zwischen den Versionen

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Die Finanzierung der Lippe- und Kanalbrücken und deren Fertigstellung bis 2014 galt laut Pressebericht vom 30. November 2012 als gesichert,<ref>[[Datei:20121130_WA_Lippepark_Finanzierung_Brueckenschlag.jpg Westfälischer Anzeiger vom 30. November 2012]]</ref> geriert aber anschließend aufgrund von Verzögerungen, hohen Gesamtkosten und Zwischenfällen zur Lokalposse.
Die Finanzierung der Lippe- und Kanalbrücken und deren Fertigstellung bis 2014 galt laut Pressebericht vom 30. November 2012 als gesichert,<ref>[[Datei:20121130_WA_Lippepark_Finanzierung_Brueckenschlag.jpg Westfälischer Anzeiger vom 30. November 2012]]</ref> geriert aber anschließend aufgrund von Verzögerungen, hohen Gesamtkosten und Zwischenfällen zur Lokalposse.


Von den taxierten sechs Millionen Euro Baukosten sollten 4,8 Mio. Euro durch Förderung gedeckt werden. Auf die Brücken inklusive aller Rampen entfielen hervor jedoch nur ca. 3,43 Mio. Euro. Durch „Wege, Zäune, Hundeauslauf, Hundeserviceplätze, ein Aussichtspodest, Amphibienquerungshilfen, Bäume, Bänke, Infosystem, Gutachten, eine ökologische Bauleitung, ein Naturschutzmonitoring“ und andere Maßnahmen um die Brücken herum erhöhte sich die Gesamtsumme gleichwohl auf mehr als 6 Mio. Euro. Der Bund des Steuerzahler nahm das Projekt daher 2015 in sein „Schwarzbuch“ für Steuerverschwendung auf. Unter anderem sollten die Brücken laut Planfeststellungsbeschluss auch durch ein Tor gesperrt werden, wenn die Altarme der Lippe vereisen und überwinternde Wasservögel auf die industriell erwärmte Lippe ausweichen.<ref name="wade150930">[https://www.wa.de/hamm/lippepark-bruecke-bockum-hoevelherringen-hamm-eintrag-schwarzbuch-2015-bund-steuerzahler-bdst-5578302.html „Lippepark-Brückenschlag hat Eintrag im Schwarzbuch 2015“] in: wa.de vom 30. September 2015</ref>  
Von den taxierten sechs Millionen Euro Baukosten sollten 4,8 Mio. Euro durch Förderungen gedeckt werden. Auf die Brücken inklusive aller Rampen entfielen hiervon jedoch nur ca. 3,43 Mio. Euro. Durch „Wege, Zäune, Hundeauslauf, Hundeserviceplätze, ein Aussichtspodest, Amphibienquerungshilfen, Bäume, Bänke, Infosystem, Gutachten, eine ökologische Bauleitung, ein Naturschutzmonitoring“ und andere Maßnahmen um die Brücken herum erhöhte sich die Gesamtsumme auf mehr als 6 Mio. Euro. Der Bund des Steuerzahler nahm das Projekt daher in sein „Schwarzbuch“ für Steuerverschwendung für das Jahr 2015 auf. Unter anderem sollten die Brücken laut Planfeststellungsbeschluss auch durch ein Tor gesperrt werden, wenn die Altarme der Lippe vereisen und überwinternde Wasservögel auf die industriell erwärmte Lippe ausweichen.<ref name="wade150930">[https://www.wa.de/hamm/lippepark-bruecke-bockum-hoevelherringen-hamm-eintrag-schwarzbuch-2015-bund-steuerzahler-bdst-5578302.html „Lippepark-Brückenschlag hat Eintrag im Schwarzbuch 2015“] in: wa.de vom 30. September 2015</ref>  


Die hohen Kosten riefen auch das RTL-Unterhaltungsmagazin „Mario Barth deckt auf“ auf den Plan. In der Sendung vom [[28. Oktober]] [[2015]] kritisierte Sky-Moderatorin Esther Sedlaczek unter anderem eine Marathon-Strecke in Hamm, die über die Lippebrücken verläuft. Zum Abschluss des Beitrags widmete man sich dann auch den Brücken. Sedlaczek verwies unter anderem auf die Kritik des Steuerzahlerbundes an den hohen Kosten, der dabei auch selbst zu Wort kam. Der [[Westfälischer Anzeiger|Westfälische Anzeiger]] veröffentlichte daraufhin eine Gegendarstellung, in der bemängelt wurde, dass der Eindruck erweckt worden sei, dass die Brücken nur wegen der Marathonstrecke gebaut worden seien. Zudem seien die Kosten für die Brücken in einen direkten Zusammenhang mit der Erhöhung der Grundsteuer B gesetzt worden, was jedoch falsch sei.<ref>Stefan Gehre: [https://www.wa.de/hamm/mario-barth-deckt-hamm-rtl-beitrag-lippebruecken-steuerschwendung-ohne-details-5702234.html „RTL deckte auf in Hamm - doch Details blieben auf der Strecke“] in: wa.de vom 30. Oktober 2015</ref>
Die hohen Kosten riefen auch das RTL-Unterhaltungsmagazin „Mario Barth deckt auf“ auf den Plan. In der Sendung vom [[28. Oktober]] [[2015]] kritisierte Sky-Moderatorin Esther Sedlaczek unter anderem eine Marathon-Strecke in Hamm, die über die Lippebrücken verläuft. Zum Abschluss des Beitrags widmete man sich dann auch den Brücken. Sedlaczek verwies unter anderem auf die Kritik des Steuerzahlerbundes an den hohen Kosten, der dabei auch selbst zu Wort kam. Der [[Westfälischer Anzeiger|Westfälische Anzeiger]] veröffentlichte daraufhin eine Gegendarstellung, in der bemängelt wurde, dass der Eindruck erweckt worden sei, dass die Brücken nur wegen der Marathonstrecke gebaut worden seien. Zudem seien die Kosten für die Brücken in einen direkten Zusammenhang mit der Erhöhung der Grundsteuer B gesetzt worden. Beide Behauptungen seien falsch.<ref>Stefan Gehre: [https://www.wa.de/hamm/mario-barth-deckt-hamm-rtl-beitrag-lippebruecken-steuerschwendung-ohne-details-5702234.html „RTL deckte auf in Hamm - doch Details blieben auf der Strecke“] in: wa.de vom 30. Oktober 2015</ref>


Nachdem beide Brückenteile fristgerecht im Sommer 2014 angeliefert wurden, verzögerte sich das Aufsetzen der Brücken mehrfach: Der für Ende 2014 vorgesehene Einbau musste verschoben werden, da die dafür nötigen Gutachten nicht vorlagen. Die Brücken wurden daher im [[Stadthafen|Kohlehafen]] eingelagert.<ref name="wade150930"/> Die Stadt entzog der Firma Rohlfing, die den Einbau verantworten sollte, Anfang 2015 den Auftrag. Als Grund gab man an, dass Rohlfing das vom Wasser- und Schifffahrtsamt Rheine geforderte statische Gutachten für die Montage noch immer nicht eingereicht habe. Zwischen dem Prüfstatiker und Rohlfing kam es schließlich zu einem Schiedsverfahren vor der Ingenieurkammer-Bau NRW. Ergebnis des Verfahrens war, dass (Zitat) „Einvernehmen darüber besteht, dass statische Nachweisefür Maschinen oder Teile nicht erforderlich“ gewesen seien.<ref name="wade170619"/>
Nachdem beide Brückenteile fristgerecht im Sommer 2014 angeliefert wurden, verzögerte sich das Aufsetzen der Brücken mehrfach: Der für Ende 2014 vorgesehene Einbau musste verschoben werden, da die dafür nötigen Gutachten nicht vorgelegen haben sollen. Die Brücken wurden daher im [[Stadthafen|Kohlehafen]] eingelagert.<ref name="wade150930"/> Die Stadt entzog der Firma Rohlfing, die den Einbau verantworten sollte, Anfang 2015 den Auftrag. Als Grund gab man an, dass Rohlfing das vom Wasser- und Schifffahrtsamt Rheine geforderte statische Gutachten für die Montage noch immer nicht eingereicht habe. Zwischen dem amtlichen Prüfstatiker und Rohlfing sollte es schließlich zu einem Schiedsverfahren vor der Ingenieurkammer-Bau NRW kommen. Ergebnis dieses Verfahrens war, dass (Zitat) „Einvernehmen darüber besteht, dass statische Nachweisefür Maschinen oder Teile nicht erforderlich“ gewesen seien.<ref name="wade170619"/>


Ein neuer Bauunternehmer wurde erst nach dem Sommerferien 2015 in Gestalt der Firma ''Stahlbau Magdeburg'' gefunden.<ref name="wade151211">Stefan Gehre: [https://www.wa.de/hamm/hamms-prestigeprojekt-pannen-chronik-lippepark-bruecken-kruecke-bruecke-5948364.html „Hamms Prestigeprojekt: Die Pannen-Chronik der Lippepark-Brücken“] in: wa.de vom 11. Dezember 2015</ref><ref name="wade170619">Stefan Gehre: [https://www.wa.de/hamm/herringen-ort370529/gerichte-werden-sich-pannen-bruecken-lippepark-hamm-herringen-beschaeftigen-8413079.html „Pannen-Brücken im Lippepark ein Fall fürs Gericht“] in: wa.de vom 19. Juni 2017</ref> Dann passierte lange nichts.  
Ein neuer Bauunternehmer wurde nach dem Sommerferien 2015 in Gestalt der Firma ''Stahlbau Magdeburg'' gefunden.<ref name="wade151211">Stefan Gehre: [https://www.wa.de/hamm/hamms-prestigeprojekt-pannen-chronik-lippepark-bruecken-kruecke-bruecke-5948364.html „Hamms Prestigeprojekt: Die Pannen-Chronik der Lippepark-Brücken“] in: wa.de vom 11. Dezember 2015</ref><ref name="wade170619">Stefan Gehre: [https://www.wa.de/hamm/herringen-ort370529/gerichte-werden-sich-pannen-bruecken-lippepark-hamm-herringen-beschaeftigen-8413079.html „Pannen-Brücken im Lippepark ein Fall fürs Gericht“] in: wa.de vom 19. Juni 2017</ref> Dann passierte lange nichts.  


Im November 2015 musste der für diesen Monat geplante Termin für das Einschwenken der Brücken per Kran erneut um einen Monat auf 9. und 10. Dezember vertagt werden. Grund waren nicht abgeschlossene Arbeiten am Mitteldamm.<ref>Stefan Gehre: [https://www.wa.de/hamm/brueckenschlag-lippepark-hamm-herringen-einmal-mehr-verschoben-5790500.html „Brückenschlag im Lippepark einmal mehr verschoben“] in: wa.de vom 8. November 2015</ref> Der erste tatsächliche Versuch, die Lippe-Brücke am [[9. Dezember]] [[2015]] auf die vorgesehenen Positionen einzuschwenken, scheiterte dann an einem unerwartet hohen Gewicht. Kalkuliert war eine Masse von rund 135 Tonnen, die Waage des Krans zeigte dann jedoch 166 t an, wofür die Anschlagseile und die Gegengewichte nicht dimensioniert waren. Die Brücke wurde wieder auf dem Kohlehafen abgesetzt, wo sie gelagert worden war. Die Verschwenkung der zweiten Brücke über den Datteln-Hamm-Kanal am 10. Dezember wurde aus diesem Grund ebenso verschoben.<ref>Stefan Gehre, Marc Borgmann, Maike Geißler: [https://www.wa.de/hamm/posse-hamm-brueckenschlag-lippepark-zwischen-herringen-bockum-hoevel-gescheitert-5943715.html „Brückenschlag im Lippepark gescheitert - Video mit Drohnenbildern“] in: wa.de vom 9. Dezember 2015</ref> 2016 würde sich dann herausstellen, dass die Brücke gar nicht zu schwer gewesen war.
Im November 2015 musste der für diesen Monat geplante Termin für das Einschwenken der Brücken per Kran erneut um einen Monat auf 9. und 10. Dezember vertagt werden. Grund waren nicht abgeschlossene Arbeiten am Mitteldamm.<ref>Stefan Gehre: [https://www.wa.de/hamm/brueckenschlag-lippepark-hamm-herringen-einmal-mehr-verschoben-5790500.html „Brückenschlag im Lippepark einmal mehr verschoben“] in: wa.de vom 8. November 2015</ref> Der erste tatsächliche Versuch, die Lippe-Brücke am [[9. Dezember]] [[2015]] auf die vorgesehenen Positionen einzuschwenken, scheiterte dann an einem unerwartet hohen Gewicht. Kalkuliert war eine Masse von rund 135 Tonnen, die Waage des Krans zeigte dann jedoch 166 t an, wofür die Anschlagseile und die Gegengewichte nicht dimensioniert waren. Die Brücke wurde wieder auf dem Kohlehafen abgesetzt. Die Verschwenkung der zweiten Brücke über den Datteln-Hamm-Kanal am 10. Dezember wurde aus diesem Grund ebenso verschoben.<ref>Stefan Gehre, Marc Borgmann, Maike Geißler: [https://www.wa.de/hamm/posse-hamm-brueckenschlag-lippepark-zwischen-herringen-bockum-hoevel-gescheitert-5943715.html „Brückenschlag im Lippepark gescheitert - Video mit Drohnenbildern“] in: wa.de vom 9. Dezember 2015</ref> 2016 sollte sich dann herausstellen, dass die Brücke gar nicht zu schwer gewesen war.


Der zweite Versuch am [[11. Dezember]], der zuvor von einem Prüfstatiker aufgrund neuer Berechnungen genehmigt worden war, wurde aufgrund starker Winde abgebrochen. Die Vorhersage deutete auf Winde mit einer Geschwindigkeit von bis zu 14 Metern pro Sekunde, möglich waren die Arbeiten jedoch nur bis maximal 10,8 m/s.<ref>Lars Becker, Stefan Gehre: [https://www.wa.de/hamm/zweiter-versuch-brueckenschlag-lippepark-freitag-5948490.html „Wind zu stark: Zweiter Versuch für Brückenschlag fällt am Freitag aus“]</ref>
Der zweite Versuch am [[11. Dezember]], der zuvor von einem Prüfstatiker aufgrund neuer Berechnungen genehmigt worden war, wurde aufgrund starker Winde abgebrochen. Die Vorhersage prognostizierte Winde mit einer Geschwindigkeit von bis zu 14 Metern pro Sekunde, möglich waren die Arbeiten jedoch nur bis zu Windgeschwindigkeiten von 10,8 m/s.<ref>Lars Becker, Stefan Gehre: [https://www.wa.de/hamm/zweiter-versuch-brueckenschlag-lippepark-freitag-5948490.html „Wind zu stark: Zweiter Versuch für Brückenschlag fällt am Freitag aus“]</ref>


Schließlich konnten beide Brücken am [[15. Dezember]] in 14 Stunden Arbeit im dritten Anlauf erfolgreich abgesetzt werden, blieben aber noch für den Publikumsverkehr gesperrt.<ref>Stefan Gehre: [https://www.wa.de/hamm/brueckenschlag-zwischen-bockum-hoevel-herringen-lippepark-hamm-ueber-kanal-lippe-erfolgreich-5962470.html „Brückenschlag im Lippepark erfolgreich“] in: wa.de vom 15. Dezember 2015</ref> Die endgültige Freigabe der 6 Millionen Euro teuren Brücken durch Oberbürgermeister [[Thomas Hunsteger-Petermann]] konnte erst am [[20. Mai]] [[2016]] erfolgen,<ref>Stefan Gehre: [https://www.wa.de/hamm/bockum-hoevel-ort370528/lippepark-bruecken-hamm-herringen-bockum-hoevel-werden-freigegeben-6407880.html „Lippepark-Brücken werden am Freitag freigegeben“ in: wa.de vom 18. Mai 2016]</ref> auch danach war allerdings ein Übergang auf den Mitteldeich zunächst noch nicht möglich, da der Bodenbelag erst wenig später fertiggestellt werden konnte.
Schließlich konnten beide Brücken am [[15. Dezember]] in 14 Stunden Arbeit im dritten Anlauf erfolgreich abgesetzt werden, blieben aber noch für den Publikumsverkehr gesperrt.<ref>Stefan Gehre: [https://www.wa.de/hamm/brueckenschlag-zwischen-bockum-hoevel-herringen-lippepark-hamm-ueber-kanal-lippe-erfolgreich-5962470.html „Brückenschlag im Lippepark erfolgreich“] in: wa.de vom 15. Dezember 2015</ref> Die endgültige Freigabe der 6 Millionen Euro teuren Brücken durch Oberbürgermeister [[Thomas Hunsteger-Petermann]] erfolgte erst am [[20. Mai]] [[2016]],<ref>Stefan Gehre: [https://www.wa.de/hamm/bockum-hoevel-ort370528/lippepark-bruecken-hamm-herringen-bockum-hoevel-werden-freigegeben-6407880.html „Lippepark-Brücken werden am Freitag freigegeben“ in: wa.de vom 18. Mai 2016]</ref> auch danach war allerdings ein Übergang auf den Mitteldeich zunächst noch nicht möglich, da der Bodenbelag erst wenig später fertiggestellt werden konnte.


Damit war die Posse um die Brücke gleichwohl nicht beendet. Stahlbau Magdeburg verklagte die Stadt, weil aufgrund der verschobenen Montagetermine Ende 2015 Baugerät länger als geplant vor Ort gebunden war. Ihrerseits verklagte die Stadt die Arbeitsgemeinschaft Rohlfing/Scheidt auf Kosten, die nach der Neuvergabe der Montagearbeiten entstanden waren – ein siebenstelliger Betrag.<ref name="wade170619"/>
Damit war die Posse um die Brücke noch nicht beendet. Stahlbau Magdeburg verklagte die Stadt, weil aufgrund der verschobenen Montagetermine Ende 2015 Baugerät länger als geplant vor Ort gebunden war. Ihrerseits verklagte die Stadt die Arbeitsgemeinschaft Rohlfing/Scheidt auf Kosten, die nach der Neuvergabe der Montagearbeiten entstanden waren – ein siebenstelliger Betrag.<ref name="wade170619"/>


== Fotos ==
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