25.095
Bearbeitungen
RaWen (Diskussion | Beiträge) |
RaWen (Diskussion | Beiträge) K (Stil) |
||
| Zeile 11: | Zeile 11: | ||
|Typ=Industriegebäude | |Typ=Industriegebäude | ||
|Gebäudetyp=Bergwerk | |Gebäudetyp=Bergwerk | ||
|Namensherkunft=nach ''Henri'' und ''Robert de Wendel'' | |Namensherkunft=nach ''Henri'' und ''Robert de Wendel'', Inhaber der ersten Eignerfirma | ||
|existiert-seit=08.05.1901<br>'''stillgelegt''' 30.09.2010 | |existiert-seit=08.05.1901<br>'''stillgelegt''' 30.09.2010 | ||
|Name-alt=Zeche de Wendel (1901 – 1937)<br/> | |Name-alt=Zeche de Wendel (1901 – 1937)<br/> | ||
Bergwerk Ost (1998 – 2010) | Bergwerk Ost (1998 – 2010) (östlichste Steinkohlenbergwerke im Bereich der DSK AG) | ||
(östlichste Steinkohlenbergwerke | |||
|Denkmalliste=Ja | |Denkmalliste=Ja | ||
|Homepage= | |Homepage= | ||
| Zeile 22: | Zeile 21: | ||
}} | }} | ||
Die '''Zeche Heinrich-Robert''', gegründet 1901 als ''Zeche de Wendel'', war das letzte fördernde Steinkohlen-Bergwerk in Hamm und zuletzt mit der Zeche Aden/Monopol Kamen ein Teil des Verbundes ''Bergwerk Ost''. Die Zeche wurde 2010 endgültig stillgelegt. | Die '''Zeche Heinrich-Robert''', gegründet [[1901]] als ''Zeche de Wendel'', war das letzte fördernde Steinkohlen-Bergwerk in Hamm und zuletzt mit der Zeche Aden/Monopol Kamen ein Teil des Verbundes ''Bergwerk Ost''. Die Zeche wurde [[2010]] endgültig stillgelegt. | ||
Teil ihrer Gebäude stehen inzwischen unter Denkmalschutz. Für das Betriebsgelände ist eine Nachnutzung durch Wohnbebauung und die Schaffung von Gewerbe- und Einzelhandelsflächen in Vorbereitung. | |||
== Geschichte == | == Geschichte == | ||
| Zeile 28: | Zeile 29: | ||
=== Probebohrungen durch Heinrich Grimberg === | === Probebohrungen durch Heinrich Grimberg === | ||
Heinrich Grimberg (* 26. Juni 1833 in Bochum; † 24. März 1907 in Bochum), ein Bergbauunternehmer, der u. a. auch die Zeche ''Zollverein'' in Essen und die Zeche ''Monopol'' in Kamen gegründet hatte, begann 1874 im Bereich der | Heinrich Grimberg (* 26. Juni 1833 in Bochum; † 24. März 1907 in Bochum), ein Bergbauunternehmer, der u. a. auch die Zeche ''Zollverein'' in Essen und die Zeche ''Monopol'' in Kamen gegründet hatte, begann [[1874]] im Bereich der seinerzeit ihrer Größe nach nur Dörfern entsprechenden Ortschaften [[Herringen]] und [[Pelkum]] nach Kohle zu suchen. Mit seinen Mutungsbohrungen stieß er auf sogenannte Fettkohle. Teils erst über 20 Jahre später erhielt er von Preußen Grubenfelder verliehen (zwischen 1894 und 1899). Im Jahr [[1900]] verkaufte Grimberg acht seiner Felder mit 18 km² Fläche an der Hüttenkonzern ''Les petit Files de Francais des Wendel & Cie'' aus Lothringen. Es handelte sich dabei um sieben Felder mit der Bezeichnung ''Prinz Schönaich'' und ein Feld mit der Bezeichnung ''Robert Hundhausen I''. Robert Hundhausen war Besitzer einer Stärkefabrik in Hamm und hatte im Hammer Stadtgebiet nach Kohle gesucht. | ||
=== Zeche De Wendel – 1901 bis 1937 === | === Zeche De Wendel – 1901 bis 1937 === | ||
| Zeile 36: | Zeile 37: | ||
Der Teufbeginn für Schacht I, der nach Henri de Wendel auf den Namen ''Heinrich'' getauft wurde, erfolgte am [[8. Mai]] [[1901]]. Am [[1. Juni]] begannen auch die Arbeiten an Schacht II; dieser wurde nach dem zweiten Bruder aus der Familie de Wendel ''Robert'' genannt. Bereits im Folgejahr [[1902]] erreicht der Schacht I die erste Kohlenschicht in 562 Metern Tiefe. | Der Teufbeginn für Schacht I, der nach Henri de Wendel auf den Namen ''Heinrich'' getauft wurde, erfolgte am [[8. Mai]] [[1901]]. Am [[1. Juni]] begannen auch die Arbeiten an Schacht II; dieser wurde nach dem zweiten Bruder aus der Familie de Wendel ''Robert'' genannt. Bereits im Folgejahr [[1902]] erreicht der Schacht I die erste Kohlenschicht in 562 Metern Tiefe. | ||
Erst 1903 erreichte man eine Teufe von 759 m und richtete bei 662 m die erste Sohle ein. Ebenfalls 1903 | Erst [[1903]] erreichte man eine Teufe von 759 m und richtete bei 662 m die erste Sohle ein. Ebenfalls 1903 begann der Bau der für den Betrieb erforderlichen Tagesanlagen. Nach dreijähriger Vorbereitungszeit gelang es dann im Jahre [[1904]], die erste Kohle zu fördern. Sie stammte aus dem Flöz ''Katharina'', das auf 603 m (−535 m NN) liegt. Die Förderung diente anfangs ausschließlich zur Deckung des Eigenbedarfs. Im Jahr [[1905]], als im benachbarten Bockum-Hövel die [[Zeche Radbod]] den Betrieb aufnahm, hatte die älteste der Hammer Schachtanlagen bereits 406 Mann Belegschaft und förderte 3.511 Tonnen Kohle. Erst [[1906]] wurde schließlich der reguläre Förderbetrieb aufgenommen. In diesem Jahr hatte das Bergwerk 606 Mitarbeiter, die eine Jahresförderung von 31.084 t erbrachten. | ||
Bereits am [[17. Januar]] [[1906]] traten die Bergarbeiter in Streik. Er dauerte bis zum [[10. Februar]]. Dabei ging es u. a. um die Einführung des achtstündigen Normalarbeitstages. Im gleichen Jahr konnte auch erstmals Kohle aus dem neuen Bergwerk verkauft werden. Daraufhin wurden die Tagesanlagen erweitert. Neu war vor allem die Kohleaufbereitung. | |||
[[1908]] wurde dann die Kokerei errichtet, die bereits im darauffolgenden Jahr die erste Kokscharge produzieren konnte. Gleichzeitig mit der Kokerei entstand die Zechenbahn, welche die Schachtanlage mit der [[Hamm-Osterfelder Bahn|Bahnstrecke Hamm–Osterfeld]] verband. Sie ermöglichte den kurz darauf einsetzenden Kohle- bzw. Koksversand in die lothringischen Hüttenwerke. Der Schacht Robert erreichte im gleichen Jahr eine Teufe von 870 m. | |||
Ein Blick auf die Beschäftigungszahlen bestätigt die rasante Entwicklung dieses für den Raum Hamm so neuen Industriezweigs. Gab es im Jahre 1905 nur 406 Kumpel, so waren es fünf Jahre später bereits 1.735 Mann, die eine Jahresförderung von 375.141 t erwirtschafteten. Mit dieser Entwicklung | Ein Blick auf die Beschäftigungszahlen bestätigt die rasante Entwicklung dieses für den Raum Hamm so neuen Industriezweigs. Gab es im Jahre 1905 nur 406 Kumpel, so waren es fünf Jahre später bereits 1.735 Mann, die eine Jahresförderung von 375.141 t erwirtschafteten. Mit dieser Entwicklung ging das Wachstum der Dörfer Herringen und Pelkum einher, die nun rasch an Bevölkerung zulegten und sich von ländlichen Ortschaften zu den heute urban geprägten Stadtbezirken der Großstadt Hamm entwickelten. | ||
In der Zeit des ersten Weltkrieges stand die Zeche unter deutscher Zwangsverwaltung, da ihre Besitzer, die beide Franzosen waren, nun zu den Kriegsgegnern gehörten. Die Anlage ging nach Kriegsende in das Eigentum der De Wendels zurück. Danach wuchs die Zeche weiter und wurde um ein eigenes Hafenbecken am [[Datteln-Hamm-Kanal]] erweitert, das heute allerdings verfüllt ist. Das Becken wurde erst [[1925]] so fertiggestellt, dass es für die Verladung der Kohle genutzt werden konnte. | In der Zeit des ersten Weltkrieges stand die Zeche unter deutscher Zwangsverwaltung, da ihre Besitzer, die beide Franzosen waren, nun zu den Kriegsgegnern gehörten. Die Anlage ging nach Kriegsende in das Eigentum der De Wendels zurück. Danach wuchs die Zeche weiter und wurde um ein eigenes Hafenbecken am [[Datteln-Hamm-Kanal]] erweitert, das heute allerdings verfüllt ist. Das Becken wurde erst [[1925]] so fertiggestellt, dass es für die Verladung der Kohle genutzt werden konnte. | ||
[[Datei:Schacht-Franz (1980).jpg|mini|rechts|Schacht Franz (Mai 1980)]] | [[Datei:Schacht-Franz (1980).jpg|mini|rechts|Schacht Franz (Mai 1980)]] | ||
Im Jahr [[1922]] | Im Jahr [[1922]] wurde außerhalb der bisherigen Zechenanlage mit dem Abteufen eines neuen Schachts III begonnen. Er war zur Vorbereitung des Kohleabbaus auf der Nordhälfte des Feldes notwendig geworden. Der neue Schacht III erhielt den Namen ''Franz'' und lag 2 km vom Hauptwerk entfernt. Er wurde als selbstständiger Förderort geplant, erhielt die dafür nötigen Einrichtungen jedoch nie. Schacht Franz erreichte bei 610 m das Karbon und drei Jahre später seine Endteufe bei 1010 m. Der Abbau im Nordfeld wurde ab [[1926]] planmäßig durchgeführt. | ||
Am [[27. November]] [[1926]] | Am [[27. November]] [[1926]] ereignete sich auf der Zeche das erste Unglück – eine Schlagwetterexplosion, bei der elf Tote zu beklagen waren. Bereits am [[1. März]] [[1927]] kam es erneut zu einem Schlagwetter, bei dem vier Kumpel ihr Leben lassen mussten. Als Konsequenz daraus wurde beschlossen, zwischen Schacht Franz und den beiden Hauptförderschächten Heinrich und Robert einen weiteren Schacht niederzubringen, um die Bewetterung zu verbessern. Dieser Wetterschacht erhielt den Namen ''Humbert'' (benannt nach [[Humbert de Wendel]]); sein Bau begann im Jahre [[1927]]. | ||
Während Schacht Franz bereits [[1928]] seine Förderung aufnahm, erreichte Schacht Humbert [[1929]] auf 595 Meter Tiefe das Karbongebirge. Dennoch kam es im gleichen Jahr, am [[4. August]], erneut zu einem Schlagwetter in der Zeche – vier Tote wurden beklagt. Der Wetterschacht Humbert, der erst [[1930]] soweit fertiggestellt war, dass er seine Funktion erfüllen konnte, kam für diese Kumpel also ein Jahr zu spät. | |||
Im Jahre 1930 gab es bereits 4.334 Mann Belegschaft; die Fördermenge betrug 1.070.554 t Steinkohle. Die Grubengase, welche über die Wetterschächte abgesaugt wurden, konnten ab [[1931]] in das Netz der Ruhrgas AG eingespeist werden. Zwischen 1929 und 1934 wurde der Betrieb auf den Schächten Humbert und Franz zeitweilig eingestellt, da die Weltwirtschaftskrise auch hier die Arbeit beeinträchtigte. | Im Jahre 1930 gab es bereits 4.334 Mann Belegschaft; die Fördermenge betrug 1.070.554 t Steinkohle. Die Grubengase, welche über die Wetterschächte abgesaugt wurden, konnten ab [[1931]] in das Netz der Ruhrgas AG eingespeist werden. Zwischen 1929 und 1934 wurde der Betrieb auf den Schächten Humbert und Franz zeitweilig eingestellt, da die Weltwirtschaftskrise auch hier die Arbeit beeinträchtigte. | ||
| Zeile 59: | Zeile 60: | ||
Vor dem Hintergrund der Machtergreifung der NSDAP und Adolf Hitlers gelang es dank einer veränderten Wirtschaftspolitik, dass der Betrieb aller Schächte wiederaufgenommen werden konnte. Kohle wurde stärker denn je nachgefragt, was auch auf die laufenden Kriegsvorbereitungen zurückzuführen war. Aus demselben Grund erachteten es die Eigentümer für hilfreich, den französischen Namen De Wendel aus der Zechenbezeichnung zu entfernen. Sie gründeten daher am [[26. April]] [[1937]] die ''Aktiengesellschaft Steinkohlenbergwerk Heinrich Robert'' und benannten die Zeche in Heinrich Robert um. Die Zeche wurde mit Eigenkapital ausgestattet und ein Aufsichtsrat eingesetzt. Diesem gehörten überwiegend Mitglieder der Familie De Wendel an, die auch 100 % der Aktienanteile hielt. | Vor dem Hintergrund der Machtergreifung der NSDAP und Adolf Hitlers gelang es dank einer veränderten Wirtschaftspolitik, dass der Betrieb aller Schächte wiederaufgenommen werden konnte. Kohle wurde stärker denn je nachgefragt, was auch auf die laufenden Kriegsvorbereitungen zurückzuführen war. Aus demselben Grund erachteten es die Eigentümer für hilfreich, den französischen Namen De Wendel aus der Zechenbezeichnung zu entfernen. Sie gründeten daher am [[26. April]] [[1937]] die ''Aktiengesellschaft Steinkohlenbergwerk Heinrich Robert'' und benannten die Zeche in Heinrich Robert um. Die Zeche wurde mit Eigenkapital ausgestattet und ein Aufsichtsrat eingesetzt. Diesem gehörten überwiegend Mitglieder der Familie De Wendel an, die auch 100 % der Aktienanteile hielt. | ||
Die Gesamtanlage bestand zu diesem Zeitpunkt aus den Förderschächten Heinrich | Die Gesamtanlage bestand zu diesem Zeitpunkt aus den Förderschächten Heinrich und Robert, die in fünfte Sohle auf 929 Meter Tiefe Steinkohle fördern. Die Anlagen am Standort Heinrich-Robert umfasste auch eine Kokerei. Schacht Franz war bis auf 1010 Meter Tiefe abgeteuft. Dort wurde auf Sohle IV in 839 Metern Tiefe ab 1937 wieder abgebaut. Schacht Humbert diente als Wetterschacht, der bis zur vierten Sohle in 840 Meter Tiefe reichte. | ||
Als der deutsche Überfall auf Polen vom 1. September 1939 am 3. September die Kriegserklärung durch Frankreich und das Vereinigte Königreich nach sich zog, ging die Zeche erneut in deutsche Zwangsverwaltung über. Trotz des Krieges wurden im Jahre [[1942]] weitere Ausbaumaßnahmen durchgeführt. In den Jahren [[1942]] bis [[1945]] wurde Schacht Robert tiefergeteuft - erst in 1047 Metern Tiefe wird die Teufe eingestellt. Außerdem erhielt das Kraftwerk der Zeche einen größeren Stromgenerator und wurde per Freileitung mit dem [[Gersteinwerk]] in Stockum verbunden, um den zusätzlich produzierten Strom in das öffentliche Netz einspeisen zu können. | Als der deutsche Überfall auf Polen vom 1. September 1939 am 3. September die Kriegserklärung durch Frankreich und das Vereinigte Königreich nach sich zog, ging die Zeche erneut in deutsche Zwangsverwaltung über. Trotz des Krieges wurden im Jahre [[1942]] weitere Ausbaumaßnahmen durchgeführt. In den Jahren [[1942]] bis [[1945]] wurde Schacht Robert tiefergeteuft - erst in 1047 Metern Tiefe wird die Teufe eingestellt. Außerdem erhielt das Kraftwerk der Zeche einen größeren Stromgenerator und wurde per Freileitung mit dem [[Gersteinwerk]] in Stockum verbunden, um den zusätzlich produzierten Strom in das öffentliche Netz einspeisen zu können. | ||