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Kreisstraße 35n

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Die Kreisstraße 35n (K35n) ist eine in Vorbereitung befindliche Kreisstraße in Hamm-Pelkum, die von der Rathenaustraße parallel zum Wiescher Bach zur Kamener Straße verlaufen wird. Sie soll unter anderem der Entlastung der Kamener Straße und der besseren Anbindung des Gewerbegebiets Schieferstraße dienen und mittelfristig den geplanten Multi-Hub Westfalen wie auch das CreativRevier auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Heinrich-Robert mit der geplanten Bundesstraße 63n (B63n) verbinden.

Die finale Planung der seit 2009 angedachten Straße befindet sich seit Juni 2025 in der Ausschreibung.

Geschichte

Die K35n ist bereits seit dem Beschluss 0124/09 des Ausschusses für Stadtentwicklung und Verkehr vom 8. Dezember 2009 zumindest angedacht[1]. Planerin und künftige Eigentümerin der Straße ist die Stadt Hamm.[2] Seitdem die Stadt Hamm und DB Cargo planen, den Rangierbahnhof Hamm zu einem try-modalen Güterdrehkreuz (Straße – Schiene – Wasserwege) auszubauen, wird der Bau der B63n und der K35n verstärkt forciert.

Am 8. April 2025 beriet der Rat der Stadt Hamm über die Vorzugsvariante für den Ausbau von Rathenaustraße und die Errichtung der K35n. Dabei wurde Variante 6, die entlang des Wiescher Bachs führen soll, mit 52 Ja-Stimmen und vier Gegenstimmen beschlossen:[3]

„Beschluss: 1. Die Führung der K35n von der Kamener Straße über Variante 6 – Wiescher Bach – und Rathenaustraße bis zur Weetfelder Straße wird vorbehaltlich der gesicherten Finanzierung beschlossen.

2. Der Ausbau der Rathenaustraße zwischen K35n und „Auf dem Daberg“ als leistungsfähige Anbindung des Gewerbegebietes Schieferstraße und des Bahngeländes (aktuell geplanter Multi Hub Westfalen) wird vorbehaltlich der gesicherten Finanzierung beschlossen.

3. Die Vergabe der Fachplanungen an entsprechende Fachplanungsbüros wird vorbehaltlich der gesicherten Finanzierung beschlossen.“

Anfang Juni 2025 schrieb die Stadt Hamm sodann die Planung der beiden erforderlichen Verkehrsanlagen sowie den Anschluss an das [[CreativRevier Heinrich-Robert] europaweit aus. Bieter konnten sich bis zum 24. Juni 2025 bewerben. Die Planungen für die Trasse entlang des Wiescher Bachs fallen zunächst in den Bereich des Lippeverbandes, der im Juni 2025 bereits hiermit begonnen hatte. Er will die Planungen bis Ende 2025 beendet haben.

Trassierung

Zunächst befanden sich insgesamt sechs Trassenverläufe zwischen dem Daberg und der Weetfelder Straße in der Diskussion. Hiervon setzte sich die verkehrstechnisch effizienteste Variante 6 wenig überraschend durch, die vorsieht, dass die Straße auf einem Damm des Lippeverbandes verläuft, der den Wiescher Bach einfasst.

Zur Realisierung dieses Straßenverlaufs müsste der Wiescher Bach zwischen Kamener Straße und Rathenaustraße weiter Richtung Daberg verlegt werden.[4] Das Projekt greift damit potenziell in das Landschaftsschutzgebiet (LSG) „Wiescherbach-Senke“ ein.[1] Allerdings plant der Lippeverband in diesem Bereich ohnehin die Verlegung des Bachs.[5]

Verkehrsbelastung

Die Verkehrsbelastung der K 35n sollte nach ersten Einschätzungen ca. 10.500 Kfz. am Tag betragen, sobald die B 63n vollständig freigegeben ist. Das finale Gutachten wurde zum 14. Mai 2024 erwartet.[4] Das Gutachterbüro Brilon Bondzio Weiser ging hierin davon aus, dass ab 2030 täglich 6.700 Pkw und 600 Lkw diese Trasse nutzen würden, 500 davon zum Multi-Hub Westfalen. Die Weetfelder Straße und die Kamener Straße im Bereich Daberg würden mit dieser Variante am meisten entlastet.[5] Laut Westfälischem Anzeiger wird das Verkehrsaufkommen dagegen bis zu 13.000 Fahrzeuge am Tag betragen.[6]

Bürgerbeteiligung

Zu einem „Infomarkt“ zur K 35n im Mai 2024 erschienen rund 50 Bürger.[5]

Umweltschutz

In den obligatorischen Umweltuntersuchungen wurde ein Teich in der Nähe der Firma PreZero als Habitat des Kammmolches klassifiziert, sodass die Straße in diesem Bereich verschwenkt werden muss.[6]

Kritik

Die Bürgergemeinschaft gegen die Zerstörung der Weetfelder Landschaft e. V. (BG Weetfeld) opponiert gegen den Bau der K 35n. 2023 wurden auf zwei Feldern auf Anhänger gespannte, permanente Transparente errichtet, mit denen gegen den Bau der B63n und K35n geworben wird. Gegenüber dem WA begründete die BG Weetfeld ihren Widerstand unter anderem wie folgt:

„Die Landschaft, die die K 35 n brutal zerschneiden wird, ist reich gegliedert an heckenreichen Strukturen und alten Bäumen. Diese Flächen werden größtenteils rücksichtsvoll extensiv bewirtschaftet, und das seit vielen Jahren. Wird diese Fläche für die K 35n genutzt, zerschneidet sie nicht nur die Lebensräume wild lebender Tiere, sondern gefährdet auch die Existenz der wenigen landwirtschaftlichen Betriebe, die es in unserem Stadtbezirk noch gibt“

— Bürgergemeinschaft gegen die Zerstörung der Weetfelder Landschaft e. V., wa.de vom 5. Mai 2024[4]

Die BG Weetfeld kündigte bereits im März 2025 nach der Empfehlung des Bauvorhabens durch die Bezirksvertretung Pelkum an, gegen die K35n klagen zu wollen, allerdings erst bei Rechtskraft des Bebauungsplans und sofern die nötigen Gelder für die Prozesskosten eingesammelt werden können.[7]

Sie begründet dies unter anderem damit, „dass hier 14 planungsrelevante seltene Vogelarten und noch mehr sogenannte Allerweltsarten leben. 12 Fledermausarten sind auf der Nahrungssuche festgestellt worden. Dazu kommen mehrere Amphibienarten, wie der Kammmolch und der Laubfrosch, die hier ebenfalls leben. Einige dieser Arten sind vom Aussterben bedroht und werden unter dem Status ‚Streng geschützt‘ geführt.“, so Ulrich Schölermann gegenüber dem Westfälischen Anzeiger. Auch die Untere Naturschutzbehörde empfehle diesen Straßenverlauf nicht.[7] Im Sommer 2025 erneuerte die BG ihre Kritik an den Straßenprojekten, da der Multi-Hub Westfalen offenbar als solches nicht finanzierbar sei und der Bau sich zu einem „Wolkenhaus“ entwickelt habe:

„Die Lösung ist nicht, schwere Lkw in Nordwestdeutschland einzusammeln und die Autobahnen um Hamm und die innerstädtischen Straßen mit Schwerlastverkehr zu belasten.“

— Ulrich Schölermann[8]

Weblinks

Offizielle Projektseite der Stadt Hamm

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Stadt Hamm (Hg.): Aus- oder Neubau der nördlichen Weetfelder Straße (K 35n) (Pressemitteilung). In: hamm.de, zul. abgerufen am 7. Mai 2024.
  2. Stadt Hamm (Hg.): Planungsprozess. In: hamm.de, zul. abgerufen am 7. Mai 2024.
  3. Stadt Hamm (Hg.): Öffentliche Niederschrift der 26. Sitzung des Rates am Dienstag, 08.04.2025, 16:00 Uhr bis 17:34 Uhr in den Multifunktionsraum des Kurhauses, S. 15.
  4. 4,0 4,1 4,2 Stefan Gehre: Bis zu 10.500 Fahrzeuge am Tag auf umstrittener Straße in Hamm erwartet. In: wa.de vom 5. Mai 2024.
  5. 5,0 5,1 5,2 Stefan Gehre: Woher führt die K 35n? Trasse am Wiescher Bach ist klarer Favorit. In: wa.de vom 15. Mai 2024.
  6. 6,0 6,1 Stefan Gehre: Es geht ans Eingemachte: Planung für umstrittene Straße ausgeschrieben. In: wa.de vom 6. Juni 2025.
  7. 7,0 7,1 Stefan Gehre: Umstrittene Straße: Klage kommt mit „ziemlicher Sicherheit“. In: wa.de vom 20. März 2025.
  8. Stefan Gehre: Straßenbau K 35n: Scharfe Kritik an Multi-Hub-Finanzierung – BG fordert Stopp. In: wa.de vom 3. August 2025.