Katholischer Gesellenverein Hamm: Unterschied zwischen den Versionen

 
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[[Datei:Kopf des Festblatts zum 50-jährigen Stiftungsfestes 1909.jpg|thumb|right|Festblatt zum 50-jährigen Bestehen des katholischen Gesellenvereins in Hamm]]
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[[Datei:Katholischer Gesellenverein 1909 untere Reihe dritte Person von rechts Präses Schröder.jpg|thumb|left|Katholischer Gesellenverein Hamm 1909 mit Präses Kaplan Schröder]]
[[Datei:Katholischer Gesellenverein 1909 untere Reihe dritte Person von rechts Präses Schröder.jpg|thumb|left|Katholischer Gesellenverein Hamm 1909 mit Präses Kaplan Schröder]]
[[Datei:Festumzug katholischer Gesellenverein Hamm im Jahr 1909 Foto M Müller.jpg|thumb|right|Festumzug des katholischen Gesellenvereins Hamm im Jahr 1909 anlässlich des 50. Stiftungsfestes.Foto von M. Müller]]
Anfang April 1895 siedelte Herr Kaplan Dr. Hille nach Berlin über, um das Generalsekretariat der kath. Arbeitervereine zu übernehmen. Sein Nachfolger wurde Kaplan Niggetiet, gebürtig aus Werl, der vorher in Lütgendortmund tätig war.  
Anfang April 1895 siedelte Herr Kaplan Dr. Hille nach Berlin über, um das Generalsekretariat der kath. Arbeitervereine zu übernehmen. Sein Nachfolger wurde Kaplan Niggetiet, gebürtig aus Werl, der vorher in Lütgendortmund tätig war.  


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Anstelle des alten, baufälligen und räumlich durchaus unzureichenden Hauses an der Brüderstraße wurde ein neues, geräumiges, modern eingerichtetes Hospiz errichtet. Das Haus ist so gebaut, dass es im unteren Stockwerk 2 größere Säle zu Unterrichtszwecken und Vortragsabenden, dann in 3 Etagen 30 Logierzimmer hat und zwar 15 mit je 3 Betten und 15 Einzelzimmer, so dass also außer den für Zugereiste vorgesehenen Betten und Zimmern 50 junge Leute ständig im Haus wohnen können. Trotzdem die Zimmer mit Dampfheizung, elektrischem Licht und ganz neuem Möblelement versehen sind stellt sich der Tagespreis nur auf 25 – 50 Pfg. In hygienischer Hinsicht ist gesorgt für gute Ventilation, besonders sind kalte und warme Bäder vorgesehen. Der Neubau wurde nach den Plänen des Herrn Architekten Brandt, hier begonnen am 01. April und konnte bereits am 10. November eingeweiht werden. Diesen bedeutungsvollen Akt nahm der Herr Generalpräses Magr. Schweitzer, der dem Bau ein so großes Interesse entgegengebracht hatte, selbst in feierlichster Weise vor. Dass der Bau, der architektonisch sehr schön sich ausnimmt, eine Notwendigkeit war, zeigt die Tatsache, dass schon sämtliche Zimmer besetzt sind.
Anstelle des alten, baufälligen und räumlich durchaus unzureichenden Hauses an der Brüderstraße wurde ein neues, geräumiges, modern eingerichtetes Hospiz errichtet. Das Haus ist so gebaut, dass es im unteren Stockwerk 2 größere Säle zu Unterrichtszwecken und Vortragsabenden, dann in 3 Etagen 30 Logierzimmer hat und zwar 15 mit je 3 Betten und 15 Einzelzimmer, so dass also außer den für Zugereiste vorgesehenen Betten und Zimmern 50 junge Leute ständig im Haus wohnen können. Trotzdem die Zimmer mit Dampfheizung, elektrischem Licht und ganz neuem Möblelement versehen sind stellt sich der Tagespreis nur auf 25 – 50 Pfg. In hygienischer Hinsicht ist gesorgt für gute Ventilation, besonders sind kalte und warme Bäder vorgesehen. Der Neubau wurde nach den Plänen des Herrn Architekten Brandt, hier begonnen am 01. April und konnte bereits am 10. November eingeweiht werden. Diesen bedeutungsvollen Akt nahm der Herr Generalpräses Magr. Schweitzer, der dem Bau ein so großes Interesse entgegengebracht hatte, selbst in feierlichster Weise vor. Dass der Bau, der architektonisch sehr schön sich ausnimmt, eine Notwendigkeit war, zeigt die Tatsache, dass schon sämtliche Zimmer besetzt sind.
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=== Bis zum ersten Weltkrieg ===
 
Das Jahr 1913 brachte wiederum eine Steigerung der Mitgliederzahl des katholischen Gesellenvereins um 150 Personen. In diesem Jahr eine Fachabteilung für Bauhandwerker neu gegründet. Folgende Teilnehmerzahlen aus den einzelnen Fachabteilungen zeigen deren Nachfrage: Bäcker 29, Maler 22, Schlosser 20-25, Schneider 12 und Bauhandwerker 11. Die Schreinerfachabteilung erscheint im Jahr 1913 nicht mehr auf dem Plan.
 
=== Der erste Weltkrieg ===
 
Das Jahr 1914 mit dem Beginn des ersten Weltkriegs bedeutete einen Einschnitt in die Vereinsaktivitäten. So diente das Kolpinghaus seit Beginn des Krieges als Reserve-Lazarett.
 
Am Jahresende waren 226 Mitglieder zum Militärdienst einberufen, wovon bereits 12 Gefallene zu verzeichnen waren. Unter diesen war der seinerzeitige Senior Georg Seegräf. Im Folgejahr musste der Verein bereits 39 tote und 3 vermisste Mitglieder beklagen.
 
Ende des Jahre 1916 waren 331 Mitglieder als Soldaten einberufen, mit denen, wie der Jahresbericht des katholischen Gesellenvereins aufzeigt, eine rege Feldpostverbindung bestand. Dazu bestand eine eigene „Feldpostkommission“, die oft Überstunden machen musste. Insgesamt musste der Verein feststellen, dass in diesem Krieg bereits 54 Mitlgieder den Tod gefunden hatten.
 
Die Kriegsstatistik des Vereins verzeichnet für das Jahr 1917 insgesamt 344 Kolpingsbrüder als Kriegsteilnehmer. Zu den bisherigen 54 Gefallenen sind weitere 15 in 1917 hinzugekommen.
 
=== In der Weimarer Republik ===
Im Jahr 1919 wird durch die Wiederbenutzung des während des Krieges durch die Wehrmacht für die Lagerung von Pelzen benutzten großen Saales zum entscheidenden Neuanfang für den katholischen Gesellenverein in Hamm. Die Zahl der Mitglieder war im Vergleich zu den Vorkriegsjahre erheblich zurückgegangen und betrug nur noch 124 Aktive, die immerhin das 60-jährige Bestehen des Vereins wieder in den eigenen Räumlichkeiten feiern konnten. In Verbindung mit diesem Stiftungsfest fand auch das Stiftungsfest des „Meister-Vereins“ statt, der in diesem Jahr ins Leben gerufen worden war. Lediglich die Fachabteilungen konnten ihre Tätigkeit noch nicht wieder aufnehmen. Im Übrigen nahm das Vereinsleben schon wieder seinen vor dem Kriege gewohnten Verlauf.
 
Auch 1920 nahm es weiterhin einen guten Aufschwung. Der Mitgliederbestand an Aktiven erhöhte sich auf 156. Besonders die Theaterabteilung war wieder sehr aktiv. Ihr Haupterfolg bestand in der Inszenierung des Stück „Elmar“, das einen erheblichen Ertrag auch für die Vereinskasse brachte.
 
Das Jahr 1921 brachte dem Verein einen neuen Präses. Der bisherige Präses Kaplan Böhmer musste infolge seiner Ernennung zum Pfarrer der St. Agnes Gemeinde in Hamm sein Amt niederlegen. Am 17. Februar 1921 wurde Kaplan Pieper in sein neues Amt eingeführt. Herr Pfarrer Böhmer wurde am gleichen Abend zum Ehrenpräses ernannt und ihm wurde eine entsprechende Urkunde überreicht.
 
Die Zahl der Mitglieder war allmählich auf 189 Aktive gestiegen. Im Ganzen gesehen hatte der Verein auch in diesem Jahre wieder unter dem allgemeinen Arbeitsmangel sowie Wohnungsnot zu leiden. Die Haupteinnahmequelle war wieder die Theaterabteilung mit ihren Aufführungen. Dennoch musste der Monatsbeitrag im Jahre 1921 auf RM 5,-- erhöht werden, wovon RM 2,-- nach Köln als Verbandsbeitrag abgeführt werden mussten.
 
Im Jahre 1922 fahren die Hammer Mitglieder des Vereins zu einem Gesellentag, was eine Schleife an der seinerzeitigen ältesten Fahne des Vereins belegte.
 
Am 26. März 1927 erfolgte die Ernennung des Vikars Brocke zum Vikar von St. Agnes und damit zum Präses des katholischen Gesellenvereins. Er verbleibt vier Jahre im Amt und wird am 18. März 1931 durch Vikar Spiering abgelöst.
 
=== In der NS-Zeit ===
 
Über die Zeit des nationalsozialistischen Regimes gibt ein ausführlicher Bericht der Kolpingfamilie Hamm aus dem Jahr 1946 Auskunft. Danach verlief das Jahr 1933 für das Vereinsleben noch relativ uneingeschränkt. Zum 1. Mai 1933 - dem Tag der Arbeit - schritten dann Kolpingbanner und Hakenkreuzfahne Seite an Seite.  Auch im Jahr 1934 bestanden im Gesellenverein Hamm noch eine Bäcker-, Schneider-, Schreiner- und Schlosserfachabteilung, neben denen noch laufend Allgemeinkurse durchgeführt wurden. Eine Gesang-, Musik- und Theaterabteilung, ferner ein Trommlerkorps, ein Quartett und sogar eine Turnabteilung fehlten nicht. Das Gesellenhaus florierte, Küche, Hospiz und Wirtschaft waren voll beschäftigt und eine Nähschule unter Leitung einer Ordensschwester erfreute sich guten Zuspruchs. Der Verein veranstaltete sein traditionelles Gänseköppen, organisierte Familienausflüge in die Umgebung Hamms, veranstaltete im eigenen Hause Karneval- und Tanzvergnügen und erfreute sich eines Riesenbesuchs bei seinen Theaterveranstaltungen, die meistens plattdeutscher Art waren.
 
Auch gab es noch einen eigenen staatlich anerkannten Arbeitsnachweis, der aber schon bald dem Nationalsozialismus zum Opfer fiel. Durch das Konkordat zwischen dem Vatikan und der NS-Regierung aus dem Jahr 1934 wurde der katholische Gesellenverein Hamm wie auch seine Dachorganisation gezwungen, derartige Aufgaben an den Staat abzugeben. Zudem mussten sich alle Verein unter dem Titel "Kolpingverein" umbenennen.
 
Im Sommer 1934 gab die Theaterabteilung das plattdeutsche Stück „De Weitkämpers“. Hier gab es die ersten größeren Schwierigkeiten zu überwinden. Zunächst einmal musste von den neuen Inhabern der Staatsgewalt die Genehmigung eingeholt werden, das Stück öffentlich aufführen zu dürfen. Als dieses mit List und Tücke erreicht war, verbot man den Gesellen, durch Plakataushang auf die Aufführung aufmerksam zu machen.
 
An jedem  Versammlungsabend war ein Beauftragter der Gestapo zur Stelle und jedes Wort, das gesprochen wurde, musste wohl bedacht werden. Unbedachtsamkeit hätte bewirken können, dass mit einem Federstrich der Kolpingverein der Auflösung und Beschlagnahme des Vermögens ausgeliefert worden wäre. Das Intrigenspiel nationalsozialistischer Führung, die zwar einen Gesellentag in München im Jahre 1933 genehmigte, tausende Gesellen mit ihren Kolpingsbannern zureisen und aufmarschieren ließ, dann aber vor Ablauf der Festtage die Genehmigung zurückzog, Banner einrollen und Gesellen vorzeitig abreisen ließ, mit der Begründung, die kochende Volksseele Münchens hätte Front gemacht gegen solchen konfessionellen Aufmarsch, setzte dem Kolpingverein auch in Hamm bald zu. So setzte Herr Ley, nationalsozialistischer Arbeitsfrontführer, eine Verordnung um, nach der es Mitgliedern der Arbeitsfront verboten war, dem katholischen Gesellenverein bzw. dem Kolpingswerk anzugehören. Zu Beginn dieser Epoche zählte die Kolpingfamilie Hamm 296 aktive Gesellen, 15 provisorische Mitglieder und 420 Ehrenmitglieder, wie sei damals noch hießen.
 
In die Zeit des 2. Weltkriegs fiel im September 1943 die Versetzung des Präses, Vikar Holtgreve, als Pfarrer nach Dortmund-Marten. Seine Stelle wurde nicht wieder besetzt, so dass die Kolpingfamilie in Hamm bis zum Jahr 1946 ohne geistliche Führung blieb.
 
Der Luftkrieg der Alliierten führte zudem zu großen Zerstörungen an den Kolpinggebäuden. Am 2. Oktober 1944 wurden die beiden Häuser an der Brüderstraße und an der Oststraße in Mitleidenschaft gezogen, konnten aber nochmals kurzfristig nutzbar gemacht werden. Der große Saal zwischen den beiden Häusern wurde allerdings komplett vernichtet. Doch schon zwei Monate später, am 5. Dezember 1944 wurden die noch bestehenden Häuser der Kolpingsfamilie weitestgehend zerstört.
 
Doch langsam und stetig wuchs bei uns die Zahl der Austrittserklärungen. Der Stamm alter Handwerkstradition konnte am 14. und 15. Oktober 1934 das 75. Stiftungsfest der Kolpingsfamilie Hamm unter der Devise „Gott und Volk, Volk und Stand, Stand und Staat“ feiern. Am 3. Dezember 1934 wurde in Hamm die Altkolping-Gruppe auf den Plan gerufen, deren ersten Altsenior Willi Mittler wurde.
 
Das Jahr 1935 brachte das Verbot der Fachabteilungsarbeit durch die Nationalsozialisten. Somit war das Betätigungsfeld der Kolpingfamilie auf das rein Kirchliche beschränkt. Deshalb wurden für die Folgezeit die Versammlungen auch rein kirchlich aufgezogen, zumal sich auch keine Referenten mehr fanden. Die Austrittserklärungen häuften sich. Es meldeten sich in der Zeit von 1933 bis 1945 insgesamt 94 aktive und 133 Ehrenmitglieder aus der Kolpingfamilie ab, Abgänge durch Tod, Umzug sind dabei nicht mitgerechnet.
 
Mit Ausbruch des zweiten Weltkriegs kam das Vereinsleben fast vollständig zu erliegen. Am 1. Oktober 1939 zählte der Verein noch 117 aktive und 340 Ehrenmitglieder. Am Ende des Krieges waren es noch 78 Aktive, 232 Ehren- und 27 provisorische Mitglieder.
 
=== Nachkriegszeit ===
Nach dem deutschen Zusammenbruch nahm der Kolpingverein Hamm nach Genehmigung durch die Militärregierung am 5. September 1945 seinen Versammlungsbetrieb in behelfsmäßigen Räumen des Kolpinghauses wieder auf. An 15 Versammlungsabende des Jahres 1945 konnte der Besuch von 455 Mitgliedern registriert werden.


== Historische Bilder ==
== Historische Bilder ==
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== Literatur ==
== Literatur ==
* Fest-Blatt zur goldenen Jubel-Feier des katholischen Gesellen-Vereins Hamm (Westfalen) 1859 - 1909 vom 06. Juni 1909, Druck von Breer und Thiemann
* 100 Jahre Kolpingsfamilie Hamm (Westf.) 1859-1959. Hamm 1959
* 100 Jahre Kolpingsfamilie Hamm (Westf.) 1859-1959. Hamm 1959
* Adolph Kolping - um der Menschen willen. 125 Jahre Kolpingsfamilie Hamm-Zentral 1859-1984. Hamm 1984


[[Kategorie: Vereine]]
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